Meine Geschichte
Mein Großonkel Matthias
Blutjung sieht er aus auf dem Foto, fast noch ein Kind, beinahe scheu schaut er mich an, unsicher. Doch das Foto täuscht. Dieser junge Mann, der Bruder meiner Omi, blickte nicht ängstlich in die Zukunft. Er hätte noch keine Uniform tragen müssen. Sein Jahrgang wurde erst ein Jahr, nachdem das Foto entstand, gemustert und erst zwei Jahre später, 1942, zur Wehrmacht einberufen. Matthias meldete sich 1940, 17-jährig, freiwillig zur Waffen-SS – zusammen mit zwei anderen Burschen aus meinem Heimatdorf in Bayern. Nur einer von ihnen überlebte den Krieg. Matthias starb am 13. Oktober 1941 50 Kilometer westlich von Moskau. Mit der SS-Division Reich hatte er 1941 am Balkanfeldzug und dann am Angriff auf die Sowjetunion teilgenommen.
Matthias hat mich zum Familienforscher gemacht, deshalb ist er der Namensgeber dieser Seite. In einem alten Koffer lag jahrzehntelang ein Stapel Briefe von ihm. Omi hatte sie mir mit anderen Gegenständen manchmal gezeigt, und ich erinnere mich an die schaurige Faszination, die das Sturmabzeichen mit Hakenkreuz, Dolch und Panzerfaust in mir auslöste. Als Omi starb, verschwanden die Briefe im Keller, niemand von uns konnte die Sütterlinschrift lesen. Bis Senioren der Arbeiterwohlfahrt sie für mich transkribierten. Die Lektüre sei „harte Kost“ gewesen, schrieb mir die Frau – das war 2022, als jene Orte, die Matthias 1941 nannte, erneut von einer Armee grausam heimgesucht wurden: Kiew, Dnipro, Charkiw … Seither versuche ich, möglichst viel über das kurze, fanatisierte Leben meines Großonkels herauszufinden. Ich möchte verstehen, was ihn bewog und was er bei der Waffen-SS und im Krieg erlebt haben mag.
Mehr erfahren, was ich über Matthias alles herausgefunden habe